Rambin (OZ) - September 2011
Das Dinkelschrot war ratzfatz ausverkauft und auch das Mehl desselben Korns - angebaut in Götemitz und gemahlen mit den
alten Maschinen, die auf dem Rambiner Museumshof stehen, ging gut. Christian Thiede, freut's. Der Rambiner Bürgermeister und Mitglied des Heimatvereins machte beim Erntedankfest am Wochenende in Rambin auch als „Müller" eine gute Figur, pries seine Waren an und wurde sie reißend los.
Hunderte Besucher waren zum 13. Erntedankfest nach Rambin gekommen. Zum einen der alten Technik willen, die an diesem Tag in Gang gesetzt wird. Ob Getreidedrusch mit Dreschflegeln, bei dem die Besucher selbst aktiv werden konnten, oder die Inbetriebnahme der Langdreschmaschine mit Handkurbel und des motorgetriebenen Dreschkastens mit Strohpresse - immer stand eine dichte Menschentraube um die Maschinen, staunend, dass sie auch heute noch so tadellos funktionieren.
Pfarrer Reinecke lud zum Gottesdienst in die Museumsscheune ein, wo er angesichts des verregneten und kühlen Sommers daran erinnerte, dass eine gute Ernte keine Selbstverständlichkeit ist, bevor der Rambiner Volkschor und die Kindergarten- und Grundschulkinder die Besucher mit einem Kulturprogramm erfreuten. Die Allerjüngsten führten sogar ein der Jahreszeit gerechtes kleines Theaterstück auf:
die Geschichte vom Rübchen, welche zudem „up plattdütsch vertellt" wurde.
Natürlich gehörte auch ein Markttreiben, eine Strohburg zum Toben für die Kinder und der „Tanz up de Däl"zum wieder einmal gelungenen Erntedankfest.
cn

Rambin unterstützt Friedhof September 2011
Rambin (OZ) -
Die Gemeinde Rambin will ihre Kirchengemeinde nicht im Stich lassen und wird sich an einem Defizit der Friedhofsverwaltung in Höhe von 3000 Euro beteiligen. 2000 Euro aus der Gemeindekasse, so beschlossen die Gemeindevertreter, soll der Zuschuss betragen, der für Entsorgungskosten von Pflanzen- und Kranzresten vorgesehen ist.
Bürgermeister Christian Thiede: „Unsere Kirchengemeinde ist auch nicht so finanzkräftig, insofern hielten wir den Zuschuss für gerechtfertigt." Außerdem hätten offenbar zahlreiche Rambiner Bürger das Abfallproblem auf dem Friedhof mitverursacht. In dem Friedhofs-Container wurden große Mengen illegal entsorgten Mülls gefunden. „Das ist völlig unverständlich, von Bauschutt über Plastikmöbel bis hin zu Heizkörpern, alles wurde dort heimlich entsorgt."
Das Rambiner Parlament beschäftigte sich außerdem mit der Nutzung des neuen Sportplatzgebäudes. Zwischen dem Sportverein SV Rambin 61 und der Gemeinde soll ein Nutzungsvertrag für das neue Vereinsgebäude abgeschlossen werden. In einem der Räume, der unregelmäßig vom Vorstand des Vereins genutzt wird, soll künftig die wöchentliche Sprechstunde des Bürgermeisters stattfinden. Der Veranstaltungssaal ist für die Sitzungen der Gemeinde- und Ausschussvertreter vorgesehen.
Ein weiterer Tagesordnungspunkt der Gemeindevertretersitzung war der neuen Rambiner Kita gewidmet, für die die Arbeiten in den Bereichen Heizung, Sanitär und Elektro vergeben wurden. „Alle Aufträge gingen an Firmen von der Insel", betonte Thiede. Für die Kindertagesstätte wurde erst vor einer Woche der Grundstein gelegt. Das neue Kinderhaus soll 550 000 Euro kosten. Das Richtfest ist noch für dieses Jahr geplant.
lr

Klosteranlage Rambin soll nicht verkauft werden
Rambin/Stralsund (OZ) -
Seit 2002 wieder in Stralsunder Besitz, soll das knapp 24 000 Quadratmeter große Areal per Erbbaupacht vermarktet werden.
Zur Sanierung des Haushalts werden derzeit in Stralsund alle Möglichkeiten geprüft. Sogar ein Klosterverkauf. Städtisches Eigentum, das allerdings ein paar Kilometer entfernt auf Rügen liegt.
Die Mitglieder des Finanzausschusses der Bürgerschaft befassten sich deshalb mit der Zukunft des Klosters Rambin. „Dabei handelt es sich um ein knapp 24 000 Quadratmeter großes Areal, das im Zuge der Bodenreform 1949 enteignet wurde. Vor acht Jahren fiel die gesamte Anlage im Zuge der Vermögenszuordnung wieder an die Hansestadt", erklärt Eckhard Ranft, Abteilungsleiter Liegenschaften in der Kämmerei der Stralsunder Stadtverwaltung.
Ratsherr Godeke von Wickede hatte das Kloster, bestehend aus Hospital und Siechenhaus, im Jahre 1334 gestiftet. Die Hansestadt verfügte einst über zahlreiche solcher Anlagen: Katharinen-, Johannis- und Heilgeistkloster, St. Annen und Brigitten sowie St. Jürgen am Strande - alle in der Stralsunder Altstadt - oder das Kloster in Rambin.
In ihrer Blütezeit hatten diese Klöster mehr als 14 200 Hektar Grundbesitz angehäuft, davon stellte Stralsund nach der Wende für 12 900 Hektar Rückübertragungsansprüche. Die meisten endeten erfolgreich. Nur Grundstücke, die an Bodenreform-Bauern gingen, blieben unberührt. Durch den Wiederverkauf flossen in den vergangenen Jahren etliche Millionen Euro in die Stadtkasse.

Das Kloster Rambin war bei der Übernahme mit einer Grundschuld von über 27 000 Euro belastet, die im „vergangenen Jahr mit einem geringfügigen Prozentsatz abgelöst werden konnte", so Eckhard Ranft. „Damit verbesserte sich auch der Marktwert." Die Rückübertragung sei allerdings ebenso eine Verpflichtung für Sanierung und Unterhaltung gewesen.
Zur Klosteranlage Rambin, die seit 1982 unter Denkmalschutz steht, gehören heute noch eine Kapelle, fünf Wohnhäuser, zwei Nebengebäude sowie einige Garagen, Lauben und Bungalows. Alle Bauten sind „in unterschiedlich schlechtem Zustand", wie es Eckhard Ranft ausdrückt. Trotzdem rät die Verwaltung nach gründlicher Prüfung von einem Verkauf ab. Ein Gutachten aus dem Jahre 2006 ging von einem Verkehrswert von 200 000 Euro aus. Man beziehe aber jährlich schon aus den derzeitigen Mieteinnahmen 20 000 Euro, hätte also in zehn Jahren diese Summe rein.
Da Gemeinde und Kreis einer Bebauung des Grundstücks im nördlichen Bereich und sogar einer Erweiterung positiv gegenüber stehen, gebe es gute Möglichkeiten einer Vermarktung. Dies sollte im Wege einer Erbbaupacht geschehen, wurde vorgeschlagen. So könne man das Eigentum behalten und möglicherweise jährlich 40 000 Euro Erbbauzins kassieren. Günstig wirke sich ebenfalls aus, dass durch die geplante neue Bundesstraße der extreme Durchgangsverkehr einem Ende entgegensieht.
Die Bürgerschaftsmitglieder folgten den Argumenten der Verwaltung. Stralsund will nun nach einem geeigneten Investor Ausschau halten. Es gebe bereits eine Menge Ideen, aber „es fehlte bislang noch der richtige Geldgeber", sagt der Chef der Liegenschaftsabteilung. Unstrittig sei aber wohl eine Wohnnutzung. Ob nun für Senioren oder Rehabilitanden, müsse abgewartet werden.
In der Vergangenheit habe es schon einmal den Gedanken von Künstlergruppen gegeben, dort eine Art Campus zu errichten, was allerdings auch scheiterte.
ANDREAS LINDENBERG

Neue B 96: Rambin zeigt die Zähne
Keinen Stau im Ort - die Rambiner sind für die neue Bundesstraße. Jetzt sollen sie laut aktuellen Plänen für die neue B 96 eine abgespeckte Brückenvariante und weniger Lärmschutz bekommen. Die Rambiner lehnen ab und wollen notfalls sogar klagen.Rambin „Alles, was uns versprochen wurde, ist nicht mehr wahr." Was Christian Thiede bei der Einweisung im Amt West-Rügen von der Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) zu den aktuellen Plänen für die neue B 96 zu hören bekam, fasst der Rambiner Bürgermeister mit einem Wort zusammen: niederschmetternd! Das Streichkonzert zu Ungunsten der Rambiner will der Gemeindevertreter Harald Jeske jedoch nicht widerspruchslos hinnehmen. „Wenn es hart auf hart kommt, sollten wir sogar klagen." Die Deges musste die Pläne für das Verkehrsprojekt noch einmal überarbeiten. Das Ergebnis liegt seit 20. Mai öffentlich aus. Quintessenz für die Rambiner: Die Pommernkate zieht unter die Brücke. Geschäftsführer Marco von Kessel: „Ich rechne mit drastischen Einbußen." Er will sich auf jeden Fall rechtliche Schritte vorbehalten. Ursprünglich machte die Trasse der neuen B 96 von Scharpitz aus einen Bogen um Rambin. Den musste die Deges aus Vogelschutzgründen im zweiten Entwurf bereits schleifen. Devise: So wenig Fläche wie möglich versiegeln, sagt Deges-Projektplaner Joachim Rascher. Mit der zweiten Variante - vorgestellt im vergangenen Jahr - rückte die neue Bundesstraße dichter an Rambin. Sie trennt jedoch Ortsteile wie Kasselvitz vom Hauptdorf. Damit Einwohner nach Rambin kommen können, wird eine Brücke gebraucht.
„Da hatten wir im Zuge der zweiten Nachanhörung eine vernünftige Lösung gefunden." Christian Thiede führt den Finger von Kasselvitz aus noch vor dem Ortseingang Rambin schräg über die vorgesehene Trasse für die neue B 96 und die Gleisanlagen der Deutschen Bahn rein in den Ort. Dieser Brückenverlauf habe Zustimmung bei den Rambinern gefunden. Jetzt ist das Brückenbauwerk weiter in den Ort gerückt. Es quert schnurgerade B 96n und Gleise, senkt sich unmittelbar am Parkplatz vor der Pommernkate und schlägt einen Bogen zur Anbindung an die alte B 96. Der Bauernmarkt würde hinter dem meterhohen Bauwerk verschwinden, skizziert Thiede die Zukunft. Sauer ist er auch, weil der von der Gemeinde geforderte Rad- und Gehweg von Kasselvitz mit Brückenanschluss südlich der Kleingartenanlage in den aktualisierten Plänen nicht mehr auftaucht. Statt Lärmschutzwall oder Flüsterasphalt wird auch am Lärmschutz gespart. Der reduziert sich auf den Einbau von Schallschutzfenstern in Ruheräumen einiger Wohnhäuser entlang der neuen Straßentrasse. „Ein Hohn", meint Thiede, „wer schließt nachts schon die Schlafzimmer-Fenster?" Marco von Kessel stellt nicht nur seine Großinvestition - er steckt gerade rund 500 000 Euro in einen Anbau, der im kommenden Monat eröffnet werden soll - in Frage. „Für mich stehen fast 50
Arbeitsplätze auf dem Spiel", malt er die Folgen der vorgesehenen Brückenverschiebung für das Unternehmen aus.
„Vereinbart und entschieden ist noch gar nichts", warnt Joachim Rascher vor dem Gebrauch falscher Vokabeln. Nach Angaben des Chefplaners lehnen die Ministerien in Schwerin und das Straßenbauamt die von der Kommune favorisierte schräge Brückenvariante aber ab. „Das Bauwerk würde erheblich teurer werden als die jetzt auf dem Papier eingezeichnete gerade Brücke an der Pommernkate." Rascher spricht von einem „sechsstelligen" Betrag. Bürgermeister Thiede: „Für ein paar tausend Gänse, die links und rechts der Straße rasten, wird ein Fünf-Millionen-Aufwand betrieben. Für 1100 Insulaner, nämlich die Rambiner, sind ein paar Hunderttausend Euro zu viel." Thiede bezieht sich auf den vorgesehenen Trog bei Scharpitz durch den der Verkehr künftig unter der Bahntrasse hinduchgeführt wird. Der Trog musste aus Vogelschutzgründen verlängert werden und wird geschätzte fünf Millionen Euro kosten. Marco von Kessel setzt noch einen drauf. Schon während der immens langen Bauzeit wird es zu großen Einschränkungen im Betrieb der Pommernkate kommen. „Ich mache natürlich von meinem Recht Gebrauch, Schadensersatz zu fordern", rechnet er schon dafür mit sechsstelligen Beträgen.
Joachim Rascher will das Rambiner Problem nicht kleinreden. „Schon im Vorfeld der dritten Nachanhörung, die am 13. Juli beginnt, soll es ein Gespräch in der Gemeinde mit uns und der Landrätin geben." Wahrscheinlich bereits in der kommenden Woche, terminiert er.
UDO BURWITZ